Irgendwann, vor etwa 150 Jahren, bauten die Ur-Ur-Urgroßeltern einer Familie aus Bernried-Böbrach eine alte Scheune am Hang des Rauhen Kulms in ein Haus für sich und ihre Kinder um.

Als Baumaterial verwendeten sie zum einen natürlich Holz, aber für das Erdgeschoss die überall zu findenden Steine – grob mit Lehm verputzt. Daher sind die Wände auch heute noch krumm und schief und über einen Meter dick.

Sie bauten ihr Haus in Form des hier üblichen „Einhauses“ – das heißt, alles, was eine Bauernfamilie brauchte, war unter einem Dach vereint: Der Stall, die Scheune und der Wohnbereich. Stall und Wohnbereich waren nur getrennt durch den Flur – bayerisch: den Fletz.

Noch heute kann man das erkennen: Das untere Schlafzimmer war der Stall, die Bank einmal die Viehtränke und die Stange darüber diente zum Festbinden der Tiere. Der heutige Keller war die Scheune, was an der Luke für das Heu über der Eingangstür noch deutlich zu erkennen ist. Und Wohnstube und Schlafzimmer befanden sich im gleichen Haus, denn die Wärme der Tiere machte die eisigen Winter erträglicher.

Das Leben als Bauer im Bayerischen Wald war hart. Die Winter waren kalt und die Erträge der Böden mager. Nur der Wald als Holzlieferant sicherte das Einkommen.

Nach einigen Generationen war die Land- und Forstwirtschaft nicht mehr der Haupterwerb der Familie. Daher war die Lage des Hauses mehr mühsam als schön, und sie bauten ein neues und modernes Haus – unten in Böbrach. 1961 verkauften sie das Haus am Rauhen Kulm an einen Rechtsanwalt aus Bogen, der das Haus 10 Jahre lang behielt.

Susannes Eltern hatten sich bei einem Urlaub in Bernried in die Gegend verliebt und sie begannen, ein Ferienhaus zu suchen, das sie dann auch fanden: Im September 1971 kauften sie das Haus am Rauhen Kulm. Es war damals sehr heruntergekommen, das Dach undicht, die Dachbalken vermodert, die Mauern feucht und der Holzboden durchgefault. Man konnte auch nicht mit dem Auto bis zum Haus fahren, sondern musste unten im Ort parken und alle Einkäufe mühsam den Weg hochtragen.

In unendlich vielen Arbeitsstunden wurde das Haus renoviert und der Weg autogerecht ausgebaut. Und so wurde aus einem alten verfallenen Bauernhaus ein schönes und gemütliches Ferienhaus.